"Moment der Flüche"

Gerade wenn wir ernsthaft erschöpft sind, voller Bitterkeit, bis zum Tod ermüdet, und wenn wir nicht mehr wissen, was jemanden dazu bewegen könnte, uns zu lieben, ist er uns ganz nahe, in unserer Seele inniger anwesend als in Zeiten, als er sie mit seiner Liebe entzündet. Es kommen Zeiten des Bettelns, ja sogar der inneren Taubheit, in denen wir nicht mehr um irgendetwas bitten können, aber in denen die Seele vor ihm wie eine Bettlerin ist, zu niedergeschlagen, um etwas zu sagen. Und dann neue Entflammungen, von denen wir nicht wissen, wie oder woher sie kommen. Und durch diese wechselnden Zustände, die Sie und ich und jede endliche Seele, die nach dem Unendlichen strebt, erleben, erfüllt sich in uns sein gesegnetes und geheimnisvolles Werk, das wir nicht sehen.

(Kard. Charles Journet /1891–1975/, Korrespondenz)