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Gespräch auf dem Weg nach Emmau (4)

Gespräch auf dem Weg nach Emmau (4)

In der dritten Meditation von P. Radcliffe – die der Freundschaft gewidmet ist – folgte eine Überlegung über die Kunst des Gesprächs, über das Gespräch, das zur Bekehrung führt. Die Anmerkungen unter der vorläufigen Übersetzung beziehen sich auf den ursprünglichen englischen Text.

Wir sind eingeladen, den synodalen Weg in gegenseitiger Freundschaft zu gehen. Andernfalls kommen wir nicht voran. Die Freundschaft mit Gott und mit anderen entspringt der Freude, dass wir zusammen sind. Wir brauchen jedoch Worte. Bei Cesarea Philippi scheiterte das Gespräch. Jesus nannte Petrus Satan, den Feind. Auf dem Berg der Verklärung weiß Petrus immer noch nicht, was er sagen soll, aber die Jünger beginnen, dem Herrn zuzuhören, und so kann das Gespräch auf dem Weg nach Jerusalem erneut beginnen.

Auf dem Weg streiten sie, verstehen Jesus nicht und verlassen ihn schließlich. Das Schweigen kehrt zurück. Aber der Auferstandene erscheint ihnen und seine heilenden Worte bringen das Gespräch wieder ins Fließen. Auch wir brauchen heilende Worte, die die Grenzen unserer Spaltungen überspringen: die ideologischen Grenzen von rechts und links, die kulturellen Grenzen zwischen den Kontinenten, die Spannungen, die manchmal Männer und Frauen trennen. Miteinander zu sprechen – das ist der Saft der Kirche. Wir müssen eine gemeinsame Sprache finden, schon wegen der Welt, in der die Unfähigkeit der Menschen zuzuhören den Kessel der Gewalt anheizt. Das Gespräch führt zur Bekehrung.

Wie sollte ein solches Gespräch beginnen? Im Buch Genesis herrscht nach dem Fall des ersten Menschen eisiges Schweigen. Die stille Gemeinschaft des Gartens Eden hat sich in beschämendes Schweigen verwandelt. Adam und Eva verstecken sich. Wie kann der HERR diese Kluft überbrücken? Gott wartet geduldig, bis sie sich anziehen, um ihre Verwirrung zu verbergen. Jetzt sind sie bereit für das erste Gespräch in der Heiligen Schrift. Das Schweigen wird mit einer einfachen Frage gebrochen: „Wo bist du?“ Das ist keine Informationsanfrage. Es ist eine Einladung, ins Licht zu treten und unverschleiert vor das Angesicht Gottes zu treten.

Vielleicht ist das die erste Frage, mit der wir das Schweigen brechen sollten, das uns trennt. Nicht fragen: „Wie kannst du nur so lächerliche Meinungen zur Liturgie haben?“ Auch nicht: „Warum bist du so ein Häretiker, so ein patriarchalischer Dinosaurier?“ Oder: „Warum tust du, als hörst du mich nicht?“ Sondern fragen: „Wo bist du?“ „Wovor fürchtest du dich?“ Das bin ich. Gott lädt Adam und Eva ein, sich nicht länger zu verstecken und gesehen zu werden. Wenn auch wir ins Licht treten und uns zeigen, wie wir sind, finden wir Worte für einander. Bei den Vorbereitungen zur Synode waren es oft die Priester, die zögerten, mit ihren Ängsten und Zweifeln hervor zu treten. Vielleicht fürchten wir, von anderen als nackt angesehen zu werden. Wie können wir uns gegenseitig ermutigen, die Angst vor der Enthüllung zu überwinden?

Nach der Auferstehung wird das Schweigen des Grabes des Herrn erneut durch Fragen durchbrochen: Bei Johannes: „Warum weinst du?“ Bei Lukas: „Warum sucht ihr den Lebenden unter den Toten?“ Als die Jünger nach Emmaus fliehen, sind sie voller Zorn und Enttäuschung. Die Frauen hatten zwar gesagt, sie hätten den Herrn gesehen, aber ihr wisst ja, wie das ist mit den Frauen... Auch heute zählt manchmal ihre Stimme nicht. Die Jünger gehen fort, verlassen die Gemeinschaft der Kirche, ähnlich wie viele unserer heutigen Zeitgenossen. Jesus hält sie nicht auf und verurteilt sie nicht. Er fragt: „Worüber redet ihr miteinander?“ Welche Hoffnungen und Enttäuschungen bewegen eure Herzen? Das Gespräch der Jünger klingt hart. In den griechischen Texten lesen wir: „Was sind das für Worte, die ihr eins nach dem anderen hervorbrecht?“ Jesus fordert sie auf, ihre Erregung zu teilen. Sie hatten gehofft, dass Jesus der sei, der Israel befreien würde, aber sie irrten sich. Er hat sie enttäuscht. Und so geht Jesus mit ihnen und öffnet ihre Wut und Angst."

Unsere Welt ist voller Zorn. Wir sprechen von der Politik des Zorns. Kürzlich erschien zu diesem Thema ein Buch mit dem Titel American Rage. Der Zorn hat auch die Kirche infiziert. Berechtigter Zorn über den sexuellen Missbrauch von Kindern. Zorn über die Stellung der Frauen in der Kirche. Zorn auf schreckliche Konservative, Zorn auf schreckliche Liberale. Trauen wir uns, wie Jesus, einander zu fragen: „Worüber redet ihr? Warum seid ihr wütend?“ Trauen wir uns, zuzuhören? Manchmal habe ich genug, wenn ich all diese Wut höre. Es scheint mir, als könnte ich es nicht ertragen. Aber ich muss hören, wie Jesus auf dem Weg nach Emmaus.

Viele hoffen, dass ihre Stimme bei der Synode gehört wird. Sie fühlen sich übergangen, zum Schweigen gebracht. Sie haben recht. Eine Stimme zu haben bedeutet jedoch zuerst zuzuhören. Gott ruft jeden beim Namen: Abraham, Abraham! Moses, Samuel... Sie antworten mit dem schönen hebräischen Wort Hinneni, „hier bin ich“. Unser Dasein gründet sich darauf, dass Gott uns beim Namen ruft und wir zuhören. Nicht das kartesianische „Ich denke, also bin ich“, sondern „Ich höre, also bin ich“. Wir sind hier, um dem Herrn und einander zuzuhören. Wie es heißt, haben wir zwei Ohren, aber nur einen Mund... Die Rede folgt nach dem Zuhören.

Wir hören nicht nur das, was die Menschen sagen, sondern auch das, was sie zu sagen versuchen. Wir hören den unausgesprochenen Worten zu, den Worten, die erst gesucht werden. Ein sizilianisches Sprichwort sagt: „La miglior parola è quella che non si dice.“ (1) „Das beste Wort ist das, das nicht ausgesprochen wird.“ Wir hören der Art und Weise zu, wie sie ihre Wahrheit aussprechen, wir hören jedem Körnchen Wahrheit zu, selbst wenn das, was sie sagen, insgesamt falsch sein könnte. Wir hören mit Hoffnung und nicht mit Verachtung. Bei der Generalversammlung unseres Ordens halten wir eine Regel ein: Was unsere Brüder sagen, ist niemals Unsinn. Sie könnten desinformiert sein, etwas Unlogisches oder tatsächlich Falsches aussprechen. Aber irgendwo unter ihren irreführenden Worten verbirgt sich eine Wahrheit, die ich hören muss. Wir sind Mendikanten, Bettler nach der Wahrheit. Zeitgenossen des hl. Dominikus sagten über ihn, dass er „alles verstand mit der Intelligenz eines demütigen Herzens“. (2)

Vielleicht haben Ordensgemeinschaften etwas, was sie der Kirche – was die Kunst des Gesprächs angeht – beibringen können. Der heilige Benedikt lehrt uns, den Konsens zu suchen; der heilige Dominikus liebt die Debatte; die heilige Katharina von Siena erfreut sich am Gespräch; der heilige Ignatius von Loyola an der Kunst des Unterscheidens; der heilige Philipp Neri an der Notwendigkeit des Lachens.

Wenn wir wirklich zuhören, verschwinden unsere vorgefertigten Antworten. Wir werden sprachlos und unfähig zu reden wie Zacharias, bevor er in seinen Lobgesang ausbrach. Wenn ich nicht weiß, wie ich auf den Schmerz oder das Missverständnis meines Bruders oder meiner Schwester antworten soll, muss ich mich an den Herrn wenden und um Worte bitten. Dann kann das Gespräch beginnen.

Das Gespräch erfordert, dass wir uns mit unserer Vorstellungskraft in die Erfahrung des anderen versetzen können. Sehen mit seinen Augen, hören mit seinen Ohren. Es am eigenen Leib erfahren. Aus welchen Erfahrungen stammen seine Worte? Welche Schmerzen, welche Hoffnungen tragen sie? Welchem Weg folgen sie?

Auf der dominikanischen Generalkapitulation erlebten wir eine leidenschaftliche Debatte über das Predigen und seine Essenz – ein heißes Thema für die Dominikaner. Das vorgelegte Dokument schlug vor, das Predigen als Dialog zu verstehen: den Glauben durch Gespräche zu verkünden. Aber einige Teilnehmer waren starrsinnig gegen, für sie grenzte es an Relativismus. Sie behaupteten: „Die Wahrheit muss kühn verkündet werden.“ Nach und nach zeigte sich, dass die streitenden Brüder auf der Grundlage ganz unterschiedlicher Erfahrungen stritten.

Das Dokument wurde von einem Bruder aus Pakistan vorbereitet, wo das Christentum notwendigerweise in ständigem Dialog mit dem Islam steht. In Asien ist das Predigen ohne Dialog überhaupt nicht denkbar. Die Brüder, die sich entschieden gegen das Dokument wandten, kamen hauptsächlich aus den Ländern der ehemaligen Sowjetunion. Die Vorstellung eines Dialogs mit denen, die sie ins Gefängnis gesteckt haben, ergab für sie keinen Sinn. Um dieses Missverständnis zu überwinden, waren rationale Argumente nötig, allein die hätten jedoch nicht ausgereicht. Man musste sich vorstellen, warum die anderen gerade diese Sichtweise vertreten. Welche Erfahrungen führten sie dazu? Welche Verletzungen tragen sie in sich? Welche Freuden?

Es erforderte, seine gesamte Vorstellungskraft ins Zuhören einzubringen. Die Liebe ist stets der Sieg der Vorstellungskraft, der Hass ihre Niederlage. Hass ist abstrakt. Liebe konkret. Im Roman von Graham Greene Macht und Ruhm (1940) sagt der Hauptcharakter – ein armer, alter Priester – folgendes: „Als du die Fältchen um die Augen, die Form des Mundes, das wachsende Haar sahst, konntest du nicht hassen. Hass war nur ein Versagen der Vorstellungskraft.“

Wir müssen nicht nur die Grenzen zwischen rechts und links, nicht nur die Grenzüberschreitungen zwischen Kulturen, sondern auch zwischen Generationen überwinden. Ich habe das Privileg, mit jungen Dominikanern zu leben, deren Glaubensweg sich so sehr von meinem unterscheidet! Viele Ordensleute und Priester meiner Generation sind in stark gläubigen Familien aufgewachsen. Der Glaube durchdrang unser tägliches Leben tief. Das Abenteuer des 2. Vatikanums bestand darin, in das säkulare Umfeld hinauszuschreiten. Französische Priester gingen in die Fabriken. Wir legten das Ordenskleid ab und tauchten in die Welt ein. Eine wütende Schwester, als sie mich im Habit sah, schimpfte: „Wie kannst du nur noch diese alten Lumpen tragen!?“

Heute wachsen viele junge Menschen – vor allem im Westen, aber allmählich auch überall – in einem säkularen Umfeld, in einer agnostischen oder sogar atheistischen Welt auf. Ihr Abenteuer besteht darin, das Evangelium, die Kirche und die Traditionen zu entdecken. Das Habit tragen sie mit Freude. Unsere Wege sind entgegengesetzt, aber sie stehen sich nicht entgegen. Ich muss mit ihnen gehen wie Jesus und lernen zu verstehen, was ihre Herzen berührt. „Worüber habt ihr gesprochen?“ Was für Filme schaut ihr? Welche Musik liebt ihr? Erst dann finden wir Worte füreinander.

Ich muss mir auch vorstellen, wie sie mich sehen! Wer bin ich in ihren Augen? Einmal fuhr ich mit dem Rad durch Saigon mit einer Gruppe von jungen vietnamesischen dominikanischen Studenten. Es war lange vor dem Aufschwung des Tourismus. Wir fuhren um die Ecke und da stand eine Gruppe westlicher Touristen. Sie waren so groß und dick und hatten eine so seltsame, hässliche Farbe. Wirklich seltsame Menschen. In diesem Moment wurde mir klar, dass ich genauso aussah...

Auf dem Weg nach Emmaus hören die Jünger einem Fremden zu, der sie als Bekloppte bezeichnet und ihnen widerspricht. Er ist auch verärgert! Seine Worte beginnen sie aber zu ermutigen, ihr Herz zu entzünden. Könnten wir in der Synode nicht von der freudigen Freude am Widerspruch lernen, die zu Verständnis führt? Hugo Rahner /1900–1968/, der ältere Bruder von Karl (aber viel leichter zu verstehen!) behandelt das Thema homo ludens, das spielerische Menschsein. (3) Lasst uns lernen, mit einem gewissen Spieltrieb miteinander zu sprechen! Ganz ähnlich wie Jesus und die samaritische Frau am Jakobsbrunnen im 4. Kapitel des Johannesevangeliums.

In der heutigen ersten Lesung hörten wir, dass wenn die Zeit erfüllt ist, „die Plätze der Stadt voller Jungen und Mädchen sein werden, die auf ihren Plätzen spielen werden“ (Sach 8,5). Das Evangelium lädt jeden von uns ein, zu Kindern zu werden: „Amen, ich sage euch: Wenn ihr euch nicht wieder wie Kinder werdet, werdet ihr gewiss nicht ins Himmelreich eingehen“ (Mt 18,3). Wir bereiten uns auf das Reich Gottes vor, indem wir verspielt, kindlich, aber nicht kindisch werden. Manchmal sind wir in der Kirche so fades und geschmacklos, so unfröhlich und übermäßig ernst, dass es kein Wunder ist, dass die Menschen gelangweilt sind!

Silvesterabend am Übergang ins neue Jahrtausend verbrachte ich an der Elfenbeinküste und wartete auf einen Flug nach Angola. Wir saßen im Dunkeln bei einem Bier mit einigen dominikanischen Studenten und plauderten darüber, was uns lieb und teuer war. Wir freuten uns über unsere Unterschiede, über die verschiedenen Vorstellungen, die wir hatten. Die Freude an der Differenz! Damals hatte ich Angst, dass mein Flugzeug abfliegt, aber es hatte drei Tage Verspätung! Unterschiedlichkeit ist fruchtbar, generativ. Jeder von uns ist das Produkt der wunderbaren Differenz zwischen Männern und Frauen. Wann immer wir vor der Differenz wegzulaufen versuchen, werden wir unfruchtbar und kinderlos, in unseren Häusern und in der Kirche. Wieder: Danke an alle Eltern, die bei uns in der Synode sind! Familien können der Kirche viel darüber beibringen, wie man mit Unterschiedlichkeit umgeht. Eltern lernen, den Händen ihrer Kinder zu reichen, die so unverständliche Entscheidungen treffen, und wissen doch, dass sie immer ihr Zuhause haben.

Wenn es uns gelingt, die Freude daran zu entdecken, uns vorzustellen, wie unsere Schwestern und Brüder zu den Meinungen gelangt sind, die uns so seltsam erscheinen, beginnt in der Kirche ein neuer Frühling. Der Heilige Geist wird uns die Gabe geben, in anderen Sprachen zu sprechen.

Beachten wir, dass Jesus nicht versucht, die Kontrolle über das Gespräch zu übernehmen. Er fragt, worüber sie reden; er geht dorthin, wo sie hingehen, und nicht dorthin, wo er selbst hin möchte; er akzeptiert ihre Gastfreundschaft. Ein echtes Gespräch kann nicht kontrolliert werden. Man muss sich ihrem Fluss hingeben. Wir können nicht vorhersagen, wohin es uns führt, ob nach Emmaus oder nach Jerusalem. Wo wird diese Synode die Kirche hinführen? Wenn wir das vorher wüssten, müssten wir nicht hier sein! Lassen wir uns überraschen!

Ein echtes Gespräch ist riskant. Wenn wir uns in einem freien Gespräch anderen öffnen, werden wir verändert. Jede tiefe Freundschaft bringt eine Dimension meines Lebens und meiner Identität ans Licht, die zuvor nicht da war. Ich werde jemand, der ich zuvor nicht war. Ich komme aus einer herrlich konservativen katholischen Familie. Als ich Dominikaner wurde, freundete ich mich mit Menschen an, die völlig andere Hintergründe hatten, und ihre politischen Ansichten brachten meine Familie zum Wahnsinn! Wer war ich, als ich nach Hause kam? Wie kann ich die Person, die ich zu Hause war, mit der Person versöhnen, die ich unter den Dominikanern geworden bin?

Jedes Jahr treffe ich neue und neue Brüder, die sich unserem Orden anschließen. Sie haben unterschiedliche Ansichten und sehen die Welt ganz anders. Wenn ich mich ihnen öffne und Freundschaft anbiete, wer werde ich dann? Selbst in meinem fortgeschrittenen Alter muss meine Identität offen bleiben. In dem Roman Do Not Say We Have Nothing (2016) der kanadischen Autorin Madeleine Thien /*1974/, der über chinesische Einwanderer in den USA erzählt, sagt eine der Figuren: „Versuche niemals, ein einziges, ungeteiltes menschliches Wesen zu sein. Wenn so viele Menschen dich lieben, kannst du dann wirklich nur einer sein?“ (4) Wenn wir uns einer Vielzahl von Freundschaften öffnen, haben wir keine ordentlich geordnete, streng definierte Identität. Wenn wir uns auf dieser Synode einander öffnen, wird uns das verwandeln. Es wird so etwas wie ein kleiner Tod und eine Auferstehung sein.

Unser Novizenmeister auf den Philippinen hatte ein Schild an der Tür: „Entschuldigung, wir sind am Bauen!“ Er meinte den Bau seines Lebens. Ein kohärentes Ergebnis liegt erst vor uns, im Königreich. Dann werden Wolf und Lamm, die in jedem von uns gegenwärtig sind, zusammen in Frieden weiden. Wenn wir eine geschlossene, fixe Identität haben, in Stein gemeißelt, werden wir niemals das Abenteuer neuer Freundschaften kennenlernen, die neue Dimensionen dessen entfalten, wer wir sind. Wir werden nicht für die weitreichende Freundschaft unseres Herrn offen sein.

Als die Jünger nach Emmaus kamen, endete die Flucht aus Jerusalem. Jesus tut so, als wolle er weitergehen, aber sie – mit einer wunderbaren Ironie – laden den Herrn ein, um mit ihnen zu verweilen. „Bleib bei uns, denn es wird Abend und der Tag hat sich bereits geneigt“ (Lk 24,29). Jesus akzeptiert ihre Gastfreundschaft, ebenso wie die drei Fremden im 18. Kapitel des Buches Genesis Abrahams Gastfreundschaft annahmen. Gott ist unser Gast. Auch wir müssen demütig sein, um Gäste werden zu können. Die deutsche Vorlage sagt, dass wir die „bequeme Position der Gebenden verlassen und eingeladen werden müssen, in die Existenz derjenigen einzutauchen, die wir auf dem Weg der Menschlichkeit begleiten“.

Marie-Dominique Chenu OP /1895–1990/, einer der Vorreiter der Reformen des 2. Vatikanums, ging auch abends hinaus, als er schon achtzig war. Er ging, um Gewerkschaftsführern, Akademikern, Künstlern, Familien... zuzuhören und nahm deren Gastfreundschaft an. Wenn wir abends zum Bier gingen, fragte er: „Was hast du heute gelernt? Mit wem hast du gesessen? Welche Gaben hast du empfangen?“ Die Kirche auf jedem Kontinent hat Gaben für die universelle Kirche. Um ein Beispiel zu nennen: Meine Brüder in Lateinamerika haben mir beigebracht, den Armen zuzuhören, insbesondere unser geliebter Bruder Gustavo Gutiérrez /*1928/. Werden wir in diesem Monat in unseren Debatten ihnen zuhören? Was lernen wir von unseren Brüdern und Schwestern aus Asien und Afrika?

„Als er mit ihnen am Tisch war, nahm er das Brot, sprach das Brot, brach es und gab es ihnen. Da wurden ihre Augen geöffnet, und sie erkannten ihn. Er verschwand jedoch von ihnen“ (Lk 24,30–31). Ihre Augen wurden geöffnet. Wir haben diesen Satz zuletzt gehört, als Adam und Eva vom Baum des Lebens aßen, ihre Augen geöffnet wurden und sie erkannten, dass sie nackt waren. Deshalb sahen einige alte Kommentatoren in den emmausischen Jüngern Kleopas und seine Frau ein eheliches Paar, das den neuen Adam und die neue Eva repräsentierte. Und nun essen sie das Brot des Lebens.

Und ein letzter kurzer Gedanke: Als Jesus von ihren Augen verschwand, sagten sie: „Brennte nicht unser Herz in uns, als er unterwegs mit uns sprach und uns die Schrift erklärte?“ (Lk 24,32). Es ist, als wären sie erst dann, ex post, in der Lage zu erkennen, die Freude, die sie auf dem Weg mit Jesus erlebten. Der heilige John Henry Newman /1801–1890/ sagte, dass nur, wenn wir auf unser Leben zurückblicken, wir anfangen zu erkennen, dass Gott die ganze Zeit bei uns war. Ich bitte darum, dass dies auch unsere Erfahrung wird.

Während der Synode werden wir wie die Jünger sein. Manchmal werden wir uns nicht bewusst sein, wie die Gnade des Herrn in uns wirkt, und wir werden vielleicht denken, dass es alles Zeitverschwendung ist. Aber ich bitte den Herrn, dass wir, wenn wir dann zurückblicken, erkennen, dass Gott die ganze Zeit bei uns war und dass unsere Herzen brennen.

[1] „La megliu parola è chiddra chi nun si dici“

[2] „humili cordis intelligentia“

[3] Man at Play or Did you ever practice eutrapelia? Übersetzt von Brian Battershaw und Edward Quinn, Compass Books, London, 1965

[4] Granta, London, 2016, S. 457

Ich werde dich für die kaufen, die dich verkaufen.

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Ich bitte ihn, sie anstelle von mir zu heilen.

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Jsme slabí, ale neseme poklad

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Sei es Licht oder Dunkelheit, oder Nebel und Trockenheit.

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Um du selbst zu werden und in Gott deine Erfüllung zu finden.

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Lassen Sie uns unsere Kleinheit lieben, lassen Sie uns lieben, dass wir nichts fühlen.

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Církev není celnice, je otcovským domem

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Auch wenn wir uns ziemlich wackelig fühlen.

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Sei immer zufrieden und lass dich von nichts stören oder empören.

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Heim – wir in Gott und Gott in uns (2)

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Heute bringen wir die Arbeitsübersetzung einer weiteren Meditation von P. Radcliff OP, die zu Beginn der Synode über Synodalität gehalten wurde. Meditation über ein Zuhause, das nicht nur …, sondern auch …

Wir kommen zur Synode mit Hoffnungen, die sich gegenseitig widersprechen. Das muss jedoch kein unüberwindbares Hindernis sein. Was uns verbindet, ist die eucharistische Hoffnung, die in ihrem Schoß alles umarmt – und zugleich übersteigt – wonach wir uns sehnen.

Eine weitere Quelle der Spannung ist unser Verständnis der Kirche als Heimat, da wir uns hierbei nicht immer einig sind. Jedes lebendige Wesen benötigt ein Zuhause, um gedeihen zu können. Fische brauchen Wasser und Vögel Nester. Ohne Zuhause kann man nicht leben. Aber verschiedene Kulturen haben unterschiedliche Vorstellungen davon, wie so ein Zuhause aussehen sollte. „Asien hat das Bild eines Menschen angeboten, der an der Schwelle des Hauses seine Schuhe ablegt als Zeichen der Demut, mit der wir uns auf das Treffen mit Gott und den Nächsten vorbereiten. Ozeanien brachte das Bild eines Bootes. Und Afrika zeigt die Kirche als Familie Gottes, die in der Lage ist, jedem ihrer so unterschiedlichen Mitglieder ein Gefühl der Zugehörigkeit und herzlichen Aufnahme zu bieten.“ (Instrumentum laboris, B 1.2). All diese Bilder zeigen, dass wir irgendwo unser „Zuhause“ haben müssen, wo wir angenommen und gleichzeitig ermutigt werden. Zuhause dürfen wir so sein, wie wir sind, und zugleich werden wir angeregt, mehr von uns zu geben. Zuhause ist der Ort, an dem wir erkannt, geliebt und beschützt werden, aber gleichzeitig ermutigt, uns auf das Abenteuer des Glaubens einzulassen.

Die Welt leidet an einer Obdachlosenkrise. Wenn wir darauf reagieren wollen, müssen wir zuerst die Kirche als unser gemeinsames Zuhause erneuern. Wir plündern unser kleines planetarisches Zuhause. Mehr als 350 Millionen Flüchtlinge sind in Bewegung, die vor Krieg und Gewalt fliehen. Tausende von ihnen, in der Sehnsucht nach einem Zuhause, sterben auf dem Meer. Keiner von uns kann sich ganz zuhause fühlen, solange sich dies nicht ändert. Auch in reichen Ländern schlafen Millionen von Menschen auf der Straße. Viele junge Menschen können sich oft keine Unterkunft leisten. Und überall breitet sich schreckliche spirituelle Obdachlosigkeit aus. Gepeinigter Individualismus, der Zerfall der Familie, wachsende Ungleichheiten unter den Menschen – all dies überschwemmt uns wie ein Tsunami der Einsamkeit. Die Selbstmordraten steigen, denn ohne Zuhause, weder physisch noch spirituell, kann man nicht leben. Lieben bedeutet, zu jemandem nach Hause zu kommen.

Was kann uns die Szene der Verwandlung über unser Zuhause lehren? Was können wir in der Kirche und in unserer ausgeplünderten Welt lernen? Jesus zieht seinen engsten Freundeskreis beiseite, um gemeinsam die vertrauten Momente zu genießen. Diese drei werden auch in Gethsemane bei ihm sein. Der nahe Kreis derjenigen, mit denen Jesus sich am meisten zuhause fühlt. Auf dem Berg lässt er sie seine Herrlichkeit sehen, und Petrus möchte, dass dieser Moment nicht gleich endet: „Meister, es ist gut, dass wir hier sind! Lass uns drei Hütten bauen: eine dir, eine für Mose und eine für Elia.“ (Lk 9,33). Er ist gekommen und möchte, dass dieser vertraute Moment nicht sofort endet.

Dabei hört er die Stimme des Vaters: „Ihn hört!“ Sie müssen den Berg hinabsteigen und sich nach Jerusalem begeben. Sie wissen nicht, was sie erwartet. Sie werden zerstreut und in alle Teile der Erde gesendet, um von unserem heimatlichen Ort, dem Reich Gottes, zu zeugen. Die Heimat in der Ereignis der Verwandlung können wir auf zweifache Weise verstehen: als vertraute Nähe, wenn wir zuhause mit Jesus auf dem Berg sind, und als Berufung zu unserer ewigen, endgültigen Heimat, dem Reich Gottes, das alle umfassen wird.

Das unterschiedliche Verständnis der Kirche als Heimat teilt uns auch heute noch. Für die einen ist das Zuhause der Kirche durch traditionelle Bräuche und Formen der Frömmigkeit, durch Struktur und Sprache, durch das Erbe der Vorfahren definiert. Die Kirche ist der Ort, an dem wir aufgewachsen sind und den wir lieben, und das gibt uns eine klare christliche Identität. Für andere erscheint die heutige Kirche jedoch nicht als sicherer Hafen. Sie wird als exklusive Gemeinschaft erlebt, die viele Menschen an den Rand drängt: Frauen, Geschiedene und Wiederverheiratete. Für einige ist die Kirche zu westlich, zu eurozentrisch. Das Instrumentum laboris erwähnt auch Menschen, die in homosexuellen oder polygamen Verbindungen leben. All diese Menschen sehnen sich nach einer erneuerten Kirche, in der sie sich vollkommen zuhause fühlen, anerkannt, angenommen und in Sicherheit.

Die Vorstellung, dass alle willkommen sind und ohne Rücksicht darauf, wie sie sind, angenommen werden, kann von einigen als Zerstörung der Identität der Kirche empfunden werden. Wie in einem englischen Lied des 19. Jahrhunderts zu hören ist: „if everybody is somebody then nobody is anybody“ (1), also „wenn jeder jemand ist, dann ist niemand niemand.“ Diese Menschen glauben, dass Identität Grenzen erfordert. Doch für andere ist das innere Wesen der christlichen Identität, offen zu sein. Papst Franziskus sagt: „Die Kirche ist berufen, ein Haus des Vaters zu sein, mit immer offenen Türen… wo es Platz für jeden gibt, mit all seinen Problemen. Und um denen entgegenzukommen, die das Bedürfnis haben, sich wieder auf den Weg des Glaubens zu begeben.“ (2).

Diese Spannung war immer schon in den Wurzeln unseres Glaubens vorhanden. Und zwar seit den Zeiten, als Abraham Ur verließ. Das Alte Testament hält zwei Elemente in ständigem Spannungsverhältnis: Auf der einen Seite die Idee der Erwählung, die Idee des Volk Gottes, die Idee eines Volkes, mit dem der Herr wohnt, eine Identität, die wir mit Respekt hüten. Aber auf der anderen Seite ist auch die Idee der Universalität vertreten, die Idee der Offenheit für alle Völker, eine Identität, die immer auf ihre Enthüllung wartet.

Die christliche Identität ist zugleich bekannt und unbekannt. Sie ist etwas, das festgelegt ist, und zugleich das, was gesucht werden muss. Wie der heilige Johannes sagt: „Geliebte, jetzt sind wir Gottes Kinder. Aber was wir sein werden, ist noch nicht offenbar. Wir wissen jedoch, dass wir ihm ähnlich sein werden, wenn er offenbar wird; denn wir werden ihn sehen, wie er ist.“ (1 Joh 3,2). Wir wissen, wer wir sind, aber wir wissen noch nicht, wer wir sein werden.

Für manche von uns ist die christliche Identität vor allem gegeben; die Kirche ist so, wie wir sie kennen und lieben. Für andere ist die christliche Identität immer in gewisser Weise provisorisch, sie liegt am Horizont unseres Weges ins Reich, in dem alle Mauern unserer Trennungen fallen werden. Beides ist nötig! Wenn wir nur betonen würden, dass unsere Identität festgelegt ist, dass es nur so das wahre katholische ist, riskieren wir, zu einer Sekte zu werden. Wenn wir jedoch nur die abenteuerliche Suche nach noch unbehandelter Identität betonen würden, dann droht uns, vag zu werden, eine Bewegung Jesu zu sein. Aber die Kirche ist ein Zeichen und ein Sakrament der Einheit der gesamten Menschheit in Christus (LG 1), indem sie beides einschließt. Wir verweilen auf dem Berg und kosten bereits seine Herrlichkeit. Und gleichzeitig gehen wir nach Jerusalem, zur ersten Synode der Kirche.

Wie sollten wir diese notwendige Spannung erleben? Alle Theologie entspringt der Spannung, die den Bogen spannt, um den Pfeil zu schießen. Dieselbe Spannung verbirgt sich im Kern des Johannesevangeliums. Gott schafft sich sein Zuhause in uns: „Wer mich liebt, wird mein Wort halten, und mein Vater wird ihn lieben, und wir werden zu ihm kommen und bei ihm wohnen.“ (Joh 14,23). Aber Jesus verspricht uns auch, dass unser Zuhause in Gott sein wird: „Im Hause meines Vaters gibt es viele Wohnungen. Wäre es nicht so, hätte ich euch gesagt, dass ich hingehe, um einen Platz für euch zuzubereiten?“ (Joh 14,2).

Wenn wir an die Kirche als Zuhause denken, denken einige hauptsächlich an Gott, der zu uns nach Hause kommt, und andere hauptsächlich daran, dass sie nach Hause zu Gott streben. Beide Gruppen haben recht. Lassen wir auch die Sympathien für die, die anders denken, einfließen. Wir schätzen den vertraulichen Rückzug auf dem Berg, aber gleichzeitig kommen wir hinunter und gehen nach Jerusalem, wie Wandersleute, die keinen Ort haben, an dem sie ihren Kopf niederlegen können. „Ihn hört!“

Zuerst wohnt Gott bei uns. Das Wort wurde Fleisch in dem palästinensischen Juden des ersten Jahrhunderts, der in den Traditionen und Bräuchen seines Volkes aufgewachsen ist. Das Wort wird Fleisch in jeder Kultur: Wenn wir auf die Szene der Verkündigung in der italienischen bildenden Kunst blicken, sehen wir ein prächtiges Gebäude aus Marmor, mit Fenstern, die in den Olivenhain und die Gärten voller Rosen und Lilien öffnen. Niederländische und flämische Meister zeigen Maria vor dem warmen Feuer, gut eingekuschelt, um nicht zu frieren. Egal wie dein Zuhause aussieht, Gott kommt, um darin zu wohnen. Dreißig stille Jahre wohnte Gott in Nazareth, in einem unbedeutenden Loch. Nathanael rief entsetzt: „Kann aus Nazareth etwas Gutes kommen?“ (Joh 1,46). Philippus antwortet nur: „Komm und sieh!“

All unsere Zuhause sind Nazareth, wo Gott wohnt. Der heilige Charles de Foucauld /1858–1916/ sagte: „Möge Nazareth euer Vorbild sein, in aller seiner Einfachheit und Weite… Das Leben Nazareths könnt ihr überall leben. Lebt es dort, wo es euren Nächsten am meisten nützt.“ (3). Egal wo wir sind, egal was wir zu tun haben, Gott kommt, um bei uns zu bleiben: „Siehe, ich stehe an der Tür und klopfe. Wenn jemand meine Stimme hört und die Tür öffnet, gehe ich ein zu ihm und halte das Abendmahl mit ihm und er mit mir.“ (Offb 3,20).

In unseren Herzen bewahren wir die Orte, an denen wir dem Emanuel, „Gott mit uns“, begegnet sind. Wir lieben die liturgischen Feiern, in denen wir die göttliche Schönheit wahrgenommen haben, die Kirchen unserer Kindheit, die Volksfrömmigkeit. Ich selbst liebe das weite Benediktinerkloster, wo ich zur Schule ging und wo ich zum ersten Mal das Gefühl hatte, dass die Himmelstüren offen stehen. Jeder von uns hat seinen Tabor, wo wir die Herrlichkeit Gottes erblickt haben. So sehr brauchen wir das! Damals, als die Rituale sich ändern, wenn die Tempel abgerissen werden, erfahren die Menschen unermesslichen Schmerz, als ob ihr Zuhause in der Kirche abgerissen worden wäre. Wie Petrus möchten wir bleiben.

Jede lokale Kirche, jede Kirche ist das Zuhause Gottes. Die Jungfrau Maria erschien in Walsingham in England – einem großen mittelalterlichen Heiligtum, in Lourdes, in Guadalupe Mexiko, in Czestochowa Polen, in La Vang in Vietnam und in Donglu in China. Diese Orte stehen sich nicht in Konkurrenz. Bei uns in England sagen wir, dass wir zwei Nachrichten haben: „Die gute – Gott liebt dich. Und die schlechte – er liebt ebenso jeden anderen.“ Der heilige Augustinus sagte: „Gott liebt jeden von uns, als wären wir der einzige auf der Welt.“ (4). In Algier, in der Basilika der Jungfrau Maria, Mutter Afrikas, steht die Aufschrift: „Priez pour nous et pour les Musulmans“, „bete für uns und für die Muslime“.

Gerade für Priester fällt es oft schwer, den synodalen Weg zu akzeptieren. Wir als Klerus neigen dazu, zu den heiligen Orten und der Liturgie, die wir hier feiern, zu ziehen. Priester benötigen ein starkes Identitätsgefühl, esprit de corps, Zugehörigkeit zur Gemeinschaft. Aber wer wären wir in einer Kirche, die vom Klerikalismus befreit ist? Wie kann der Klerus eine Identität übernehmen, die nicht klerikal ist? Das ist eine große Herausforderung für die erneuerte Kirche! Lassen wir uns ohne Angst auf die neu verstandene brüderliche Dimension des dienenden Priestertums ein. Vielleicht entdecken wir, dass dieser „Verlust“ von Identität in der Tat ein wesentlicher Bestandteil unserer priesterlichen Identität ist. Es ist eine Berufung, sich über alle Identitäten hinwegheben zu lassen, denn das, „was wir sein werden, ist noch nicht offenbar.“ (1 Joh 3,2).

Heute wohnt Gott an Orten, die die Welt verachtet. Der Dominikaner Frei Betto /*1944/ erzählt, wie Gott in das brasilianische Gefängnis kam, wo seine Mitbrüder festgehalten wurden, die sich gegen das diktatorische Regime /1964-1985/ auflehnten: „An Weihnachten, am Fest der Ankunft des Herrn auf dieser Welt, herrschte überall Freude. Die Weihnachtsnacht im Gefängnis… Jetzt singt das gesamte Gefängnis, als ob unser Lied, glücklich und frei, die ganze Welt durchdringen soll. Aus den Frauenzellen ertönt Gesang und wir klatschen… Jeder hier weiß, dass Weihnachten ist, dass jemand wieder in die Welt kommt. Und unser Gesang bezeugt, dass auch wir neu geboren wurden, um für eine Welt ohne Tränen, Hass und Unterdrückung zu kämpfen. Es ist ein wahrhaftiges Erlebnis, die jungen Gesichter an den Gittern zu sehen, die ihre Liebe zum Ausdruck bringen möchten. Das kann man nicht vergessen. Es ist kein Anblick für unsere Richter, Staatsanwälte oder Polizisten, die uns verhaftet haben. Für sie wäre die Schönheit dieser Nacht unerträglich.“

Wir möchten uns – wie Petrus – jeden in unserem eigenen „Tabor“ niederlassen, wo wir die Schönheit des Herrn wahrnehmen. Das ist gut! Aber „Ihn hört!“ Wir freuen uns über diese Momente, aber dann müssen wir hinuntersteigen und nach Jerusalem gehen. In gewisser Hinsicht müssen wir Obdachlose werden: „Die Füchse haben Löcher und die Vögel des Himmels Nester, aber der Menschensohn hat nicht, wo er sein Haupt niederlegen kann.“ (Lk 9,58). Die Jünger gingen nach Jerusalem, in die Heilige Stadt, wo der Name Gottes wohnt. Aber Jesus stirbt außerhalb der Mauern, für alle, die außerhalb der Mauern leben. Ebenso offenbarte sich der Herr seinem Volk in der Wüste, außerhalb des Lagers. James Alison /*1959/ schrieb: „Gott ist unter uns als der, der ausgestoßen wurde“. (5). Jesus litt außerhalb der Stadtmauern, um uns mit seinem Blut zu heiligen. Lassen wir uns also hinausgehen und ertragen wir die Beleidigungen, die er ertragen hat (vgl. Heb 2,12).

Erzbischof Carlos Azpiroz da Costa /*1956/ war viele Jahre der Vorsteher der Brüderprediger. Zu jener Zeit schrieb er an seine dominikanischen Brüder: „Gott begegnen wir außerhalb des Lagers, zwischen all diesen ‚Anderen‘, die nach draußen verbannt wurden. Pilgern bedeutet, hinauszugehen aus den Institutionen, sich aus den kulturell geprägten Wahrnehmungen und Meinungen zu befreien, da die Begegnung mit Gott, der nicht kontrolliert oder beherrscht werden kann, gerade ‚außerhalb des Lagers‘ stattfindet. ‚Außerhalb des Lagers‘ begegnen wir dem Anderen, der anders ist, und entdecken, wer wir sind und was wir tun sollen.“ (6). Nur wenn wir hinausgehen, kommen wir nach Hause, wo „es nicht mehr Jude oder Grieche, nicht mehr Sklave oder Freier, nicht mehr Mann oder Frau gibt; denn ihr seid alle eins in Christus Jesus.“ (vgl. Gal 3,28).

In den achtziger Jahren, als die Kirche ihren Standpunkt zur AIDS-Krankheit suchte, besuchte ich ein Krankenhaus in London. Der Chefarzt erwähnte, dass dort ein junger Mann um einen Priester mit dem Namen Timotheus bat. Durch die göttliche Vorsehung konnte ich ihm kurz vor seinem Tod die letzte Ölung spenden. Er äußerte den Wunsch, dass seine Beerdigung in der Westminster-Kathedrale, im Herzen des englischen Katholizismus, stattfinden sollte. Er war umgeben von gewöhnlichen Menschen, die an einem Wochentag zur heiligen Messe gekommen waren, und auch von HIV-Positiven, Krankenschwestern, Ärzten und Freunden von Schwulen. Derjenige, der immer an der Peripherie war – wegen seiner Krankheit, wegen seiner sexuellen Orientierung und jetzt vor allem, weil er tot war – fand sich im Zentrum des Geschehens wieder. Umgeben von Menschen, die die Kirche als ihr Zuhause betrachten, und von Menschen, die normalerweise nicht in die Kirche gehen würden.

Unsere Leben sind durch Traditionen und Frömmigkeiten genährt, die uns teuer sind. Es schmerzt uns, wenn wir sie verlieren. Aber wir müssen auch auf all jene Rücksicht nehmen, die sich in der Kirche bisher nicht zuhause fühlen: auf Frauen, die sich im patriarchalen System alter weißer Männer, wie ich einer bin, nicht wertgeschätzt fühlen. Auf Menschen, für die die Kirche zu westlich, zu lateinisch, zu kolonial ist. Wir müssen auf eine Kirche zusteuern, in der sie sich in der Mitte und nicht am Rand fühlen.

Als Thomas Merton /1915–1968/ zum katholischen Glauben konvertierte, entdeckte er, dass „Gott, dessen Mittelpunkt überall und dessen Grenzen nirgendwo sind, mich gefunden hat.“ Die Erneuerung der Kirche ähnelt dem Kneten von Brot. Der Mensch zieht die Ränder des Teigs zur Mitte und dehnt ihn zurück, bis die Luft überall hinkommt. Brot wird durch ständiges Wenden dessen, was innen und außen ist, geknetet… Das Brot Gottes, dessen Mittelpunkt überall und dessen Rand nirgendwo ist, Brot, das uns findet.

Ein letztes kurzes Wort: Bei den Vorbereitungen zur Synode kam immer wieder die Frage auf: „Wie können wir uns in einer Kirche, die mit so schrecklichen Skandalen des sexuellen Missbrauchs verbunden ist, zuhause fühlen?“ Für viele war das der letzte Tropfen. Sie packten und gingen. Ich stellte diese Frage auf einem Treffen der Leiter katholischer Schulen in Australien, wo die Kirche durch die sexuellen Skandale schrecklich entstellt wurde. Wie kommt es, dass sie geblieben sind? Wie kommt es, dass sie immer noch zuhause sind?

Einer von ihnen zitierte damals Carlo Carretta /1910–1988/, ein Mitglied der Foucauld-Kongregation der Kleinen Brüder Jesu. Carretto erfasst die Ambivalenz der Kirche, die mir immer noch nicht mein Zuhause ist, die Gott offenbart und gleichzeitig verborgen hält.

„So viel muss ich dir vorwerfen, oh Kirche, und dennoch liebe ich dich so sehr! Du hast mir mehr Leid zugefügt als irgendjemand sonst, und doch schulde ich dir mehr als sonst jemand. Ich wünschte so sehr, dich einmal zerschmettert zu sehen, und doch brauche ich so sehr, dass du existierst. So oft hast du mich empört, und doch verstehst du mir deine Heiligkeit. … Ich kann nicht zählen, wie oft ich die Türen meiner Seele zuschlagen wollte, sie vor dir zuschlagen wollte – und doch bitte ich jede Nacht so sehr, dass ich in Sicherheit in deinem Armen sterben möge! Nein, ich kann nicht ohne dich sein, denn ich bin eins mit dir, auch wenn ich nicht ganz du bin. Und wohin sollte ich gehen? Eine andere Kirche gründen? Ich kann keine Kirche gründen, ohne die gleichen Fehler zu machen… denn diese Fehler sind meine.“

Am Ende des Matthäusevangeliums sagt Jesus: „Siehe, ich bin bei euch alle Tage bis zum Ende der Welt!“ Wenn der Herr bleibt, wie könnten wir da weggehen? Gott hat sich sein Zuhause in uns gemacht, mit all unserer skandalösen Begrenztheit. Dazu hat er es für immer getan. Gott bleibt in der Kirche, auch mit all ihrer Korruption und ihrem Missbrauch. Daher müssen auch wir bleiben. Gott bleibt bei uns, um uns in die weiten, luftigen Räume seines Reiches zu führen. Wir brauchen die Kirche, unser irdisches Zuhause, mit all ihren Schwächen, aber wir müssen uns auch vom Heiligen Geist „belüften“ lassen und die Luft unseres zukünftigen Zuhauses atmen, eines Zuhauses ohne Grenzen.

(1) W. S. Gilbert, The Gondoliers, 1889
(2) Evangelii Gaudium, 47.
(3) Cathy Wright LSJ, St. Charles de Foucauld: His Life and Spirituality, S. 111
(4) Bekenntnis, Buch 3
(5) Knowing Jesus, S. 71
(6) Brief an den Orden über die Wanderschaft

Erneuere, mein Gott, meine verlorene Zeit.

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Lass uns ein paar Tage entspannen.

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