Alles mein Verlangen seufzt nach dir.

Wann wird all diesem Übel ein Ende gesetzt? Wann werde ich aus der elenden Knechtschaft der Sünden befreit? Wann werde ich, Herr, nur an dich denken? Wann werde ich mich voll und ganz an dir erfreuen? Wann werde ich endlich in wahrer Freiheit stehen, ohne alle Hindernisse, ohne jede Last des Geistes und des Körpers? Wann wird dieser beständige Frieden, unversehrte und sichere Frieden, innerer und äußerer Frieden, starker Frieden von allen Seiten, eintreten?
Guter Jesus, wann werde ich dich endlich sehen? Wann werde ich die Herrlichkeit deines Reiches erblicken? Wann wirst du für mich alles in allem sein? Wann werde ich mit dir in deinem Reich sein, das du deinen Geliebten von Ewigkeit her bereitet hast?
Ich bleibe wie ein Elender und Ausgestoßener in einem feindlichen Land, wo tägliche Kämpfe und großes Unglück herrschen. Trost mich in meinem Exil, milde meinen Schmerz, denn all mein Verlangen seufzt nach dir.

(Thomas von Kempen, /ca. 1380–1471/, Nachfolge Christi, III, 48.3-4)