Unter dem, was dir leer und beängstigend erscheint, wirst du festen Boden entdecken.

Versäume nichts in deinem Streben nach Heilung, an deren Möglichkeit wir glauben müssen, aber gleichzeitig ergebe dich der Macht Desjenigen, der, um dich bei Sich zu haben, schmerzhafte und banale Prüfungen verwendet, wie viele Er bereits in deinem Leben zugelassen hat. Obwohl ich immer der menschlichen Anstrengung und Entwicklung grundlegende, vorrangige Bedeutung beigemessen habe, erkenne ich gleichzeitig an, dass die Seele beginnt, Gott erst in dem Moment zu erkennen, wenn sie gezwungen ist, sich in Ihm wirklich zu vermindern. Hingebe dich unserem Herrn und lass dich von Ihm mitreißen, ja? Unter dem, was dir leer und bedrohlich erscheint, wirst du den festen Boden entdecken, der allem Schwanken und den Erschütterungen des Alltags standhält…

(Pierre Teilhard de Chardin SJ /1881–1955/, Brief an eine Cousine, 11. Januar 1919;
zitiert nach dem Buch Pierre Teilhard de Chardin, Die Geburt des Denkens. Briefe 1914–1919, Malvern 2021)