Mach dir keine Sorgen über diese Dinge.

Liebe Schwester Olympia,

hör bitte, was ich dir sagen möchte. Warum bist du so besorgt, traurig und unruhig? Weil der Sturm, der die Kirche erreicht, stark und bedrohlich ist und alles in dauerhafte Dunkelheit hüllt? Weil er seinem Höhepunkt entgegen kommt? Weil uns jeder Tag erschreckliche Schiffbrüche bringt, während die ganze Welt um uns in Trümmer stürzt? (…)

Obwohl ich mir all dieses Elend gut bewusst bin, habe ich niemals aufgehört zu hoffen. Ich habe immer den Höchsten Steuermann im Kopf. Und wenn er sich Zeit lässt, dann ist das einfach seine Entscheidung. Er wird uns nicht sofort aus der Gefahr befreien, sobald wir bedroht sind, sondern wird sie vertreiben, wenn er nah an seinem Höhepunkt ist, in dem Moment, in dem sich alle bereits von der Hoffnung verabschiedet haben.

Lass dich von dem, was geschieht, nicht entmutigen. Du musst nur eine einzige Sache fürchten, die dich versucht, und das ist die Sünde. Alles andere hat keine Bedeutung: Verschwörungen, Streitigkeiten, Verräte, Lügen, Anschuldigungen, Beschlagnahmungen, Exil, scharfe Schwerter, Gefahren des Meeres oder Kriegsdrohungen. Nichts dauert ewig. Das alles wird vorübergehen. Die Gegenwart kann glücklich oder traurig sein, sie wird jedoch sicher nicht ewig dauern. (…)

Sorge dich nicht um diese Dinge. Rufe stattdessen immer wieder zu Jesus, den du liebst, und bitte ihn, sich dir zuzuwenden. Dann wird dein Kummer im Augenblick verschwinden.

Dein

Johannes

(Johannes Chrysostomus /349–407/, Brief aus dem Exil, Juni 404)